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Dis­kri­mi­nie­rungs­frei­es Leben ist ein Menschenrecht

Der Zero Discri­mi­na­ti­on Day wird jähr­lich am 1. März began­gen. An die­sem Akti­ons­tag der Ver­ein­ten Natio­nen wird vie­ler­orts dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass Dis­kri­mi­nie­rung und Benach­tei­li­gung noch immer nicht der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren. Nie­mand darf wegen sei­nes Geschlech­tes, sei­ner Abstam­mung, sei­ner eth­ni­schen Her­kunft, sei­ner Spra­che, sei­ner Hei­mat und Her­kunft, sei­nes Glau­bens, sei­ner reli­giö­sen oder poli­ti­schen Anschau­un­gen sowie sei­ner Behin­de­rung benach­tei­ligt oder bevor­zugt wer­den. Die Rea­li­tät sieht lei­der all­zu oft immer noch anders aus.

Offe­ner und dis­kri­mi­nie­rungs­frei­er Umgang mit Men­schen mit HIV

Auch Men­schen mit HIV erle­ben immer wie­der Ableh­nung und Aus­gren­zung auf­grund ihrer Infek­ti­on oder eines posi­ti­ven HIV-Tests. Um auf ihre schwie­ri­ge Situa­ti­on hin­zu­wei­sen, hat UNAIDS [1]https://www.unaids.org/en im Jahr 2014 den Zero Discri­mi­na­ti­on Day aus­ge­ru­fen. Beson­ders auf die gleich­be­rech­tig­te sowie fai­re Behand­lung macht die Aids­hil­fe auf­merk­sam. [2]https://www.aidshilfe.de/zero-discrimination-day
Obwohl seit einem Gerichts­ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts aus dem Jahr 2013 eine HIV-Infek­ti­on durch­aus als Behin­de­rung ange­se­hen wer­den kann und somit ein Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot besteht, sieht dies in der Pra­xis doch deut­lich anders aus, so dass vie­le HIV-posi­ti­ve Men­schen immer noch Dis­kri­mi­nie­run­gen im All­tag aus­ge­setzt sind. [3]https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/bag-urteil-6-azr-190–12-hiv-infektion-diskriminierung-behinderung-kuendigung/
Grund­sätz­lich gehört sehr viel Mut dazu, als Betrof­fe­ner mit die­sen sowie zahl­rei­chen ande­ren Krank­hei­ten offen umzu­ge­hen. Men­schen, die dies ehr­lich tun, erle­ben dadurch immer noch und immer wie­der Ableh­nung sowie Aus­gren­zung, sei es pri­vat, gesell­schaft­lich oder im Arbeits­le­ben. Dabei sind ihre Offen­heit und ihre Dia­log­be­reit­schaft die Chan­ce für ande­re, Wis­sen auf- und Vor­ur­tei­le abzu­bau­en. Auch kann Prä­ven­ti­on wie Vor­sor­ge oder Tests nur gelin­gen, wenn sol­che The­men nicht tabui­siert werden.

Bun­des­wei­ter anony­mi­sier­ter Kran­ken­schein gegen Diskriminierung

Auch der feh­len­de Zugang zu medi­zi­ni­scher Hil­fe ist eine Form von Dis­kri­mi­nie­rung. Dabei stellt – laut den Ver­ein­ten Natio­nen – das Recht auf das höch­ste erreich­ba­re Maß an kör­per­li­cher und gei­sti­ger Gesund­heit ein Men­schen­recht dar, unab­hän­gig vom Auf­ent­halts­sta­tus eines Men­schen. [4]https://www.aerztederwelt.org/wer-wir-sind/menschenrecht-gesundheit So steht es im 1976 in Kraft getre­te­nen Inter­na­tio­na­len Pakt über wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le Rech­te (UN-Sozi­al­pakt).
Den­noch gibt es in Deutsch­land mehr als 60.000 gemel­de­te Men­schen ohne Kran­ken­ver­si­che­rung. Dazu kom­men noch jene, die nicht in Pri­vat­haus­hal­ten oder gar nicht gemel­det leben. Men­schen, die mit­tel­los oder obdach­los sind, kei­ne Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge zah­len kön­nen oder kei­nen geklär­ten Auf­ent­halts­sta­tus haben, sind in vie­len Tei­len Deutsch­lands von medi­zi­ni­schen Lei­stun­gen aus­ge­schlos­sen, da es immer noch Bun­des­län­der gibt, die den anyno­mi­sier­ten Kran­ken­schein nicht ein­ge­führt haben. Der anony­mi­sier­te Kran­ken­schein soll Men­schen ohne Papie­re und Ver­si­che­rung Zugang zu medi­zi­ni­schen Lei­stun­gen ermög­li­chen. Dazu gibt es in meh­re­ren Bun­des­län­dern Modell­pro­jek­te. Wegen feh­len­der bun­des­ein­heit­li­cher Rege­lun­gen kann also selbst in Deutsch­land der Ort des Lebens­mit­tel­punkts dar­über ent­schei­den, ob der Zugang zu medi­zi­ni­schen Lei­stun­gen gewähr­lei­stet ist. [5]https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/120604/Hilfsorganisationen-kritisieren-Zugang-zu-Gesundheitsversorgung
Da Deutsch­land bereits 1973 den UN-Sozi­al­pakt rati­fi­ziert hat, stellt dies eine fast 50 Jah­re andau­ern­de Dis­kri­mi­nie­rung dar, die end­lich been­det wer­den muss.